Von und mit Pferden lernen - Ein Seminar für weibliche Führungskräfte

Nach der Pause treffen wir uns im Pferdestall. Agnes, Ursula, Janett, Friedericke, Barbara und fünf weitere Teilnehmerinnen des Seminars „Frauen in Führung! Ich gehe meinen Weg!“ für weibliche Führungskräfte lernen „ihre Partner“ für die nächste Arbeitseinheit kennen. Wir werden in Kürze gemeinsam die erste pferdegestützte Übung in diesem Seminar erleben. Chanel eine 18-jährige Trakehner-Vollblutstute, Laika eine Mecklenburger Stute und Oskar ein Wallach aus der Dülmener Wildherde erwarten uns schon neugierig an der Seite ihrer Betreuer. Sie sind groß und stark und stehen in der kommenden Übung stellvertretend für unsere Mitarbeiter, Kunden oder Kollegen. Wir sind in der dritten Arbeitseinheit eines Führungskräfteseminares für Frauen. Nach dem ersten Kennenlernen und Begegnungen im Plenum, sowie einer ersten eigenen Annäherung an das Thema Führung in Kleingruppen hat jede Seminarteilnehmerin sich eine Lernpartnerin aus der Gruppe gewählt. Mit dieser wird sie gemeinsam die pferdegestützten Übungen durchführen und anschließend reflektieren.

Die Teilnehmerinnen kommen mit unterschiedlichen Lernanliegen: Ursula, eine Sachgebietsleiterin an einer Universität, möchte führen ohne autoritär zu sein und ohne dass ihre Führung angezweifelt wird. Agnes, seit kurzem freiberuflich als Beraterin tätig, stellt sich u.a. die Frage, wie sie mit einem größeren Selbstverständnis mit Widerständen umgehen kann. Sie möchte darüber hinaus ihre Zielstrebigkeit weiterentwickeln. Janett, ist sehr früh als Tochter der Chefin eines Unternehmens in eine Führungsposition gekommen. Sie möchte dieser Rolle besser gerecht werden. Friedericke, eine freiberufliche Werbedesignerin, möchte lernen mit ihren Kunden sicherer zu verhandeln. Barbara, eine junge Frau, wird in Kürze die Nachfolge in einem Familienunternehmen antreten. Sie möchte Zweiflern aus der Firma („Schaffen Sie das auch?“) selbstbewusst gegenübertreten können. Die Teilnehmerinnen denken mit gemischten Gefühlen an die kommende Arbeitseinheit. Anne will ihre Ängste vor den Pferden überwinden und mitmachen. Die Teilnahme an allen Übungen ist freiwillig.

Unsere Pferde sind den Umgang mit Menschen gewöhnt. Sie sind aufgeschlossen, neugierig und zutraulich. Ich gehe davon aus, dass die LeserInnen mit der TZI-Methode vertraut sind. Aus diesem Grunde werde ich mich in meinem Erfahrungsbericht darauf beschränken im Wesentlichen die Wirkungsweise der pferdegestützten Übungen zu erläutern.

Warum führen wir Übungen mit Pferden in einem Führungskräfteseminar durch?


Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Dies prägt im besonderen Maß ihr Verhalten untereinander und auch uns Menschen gegenüber. Sie bewerten in Sekundenschnelle instinktiv jede Situation, um zu entscheiden, ob sie sich einer potentiellen Gefahr durch Flucht entziehen müssen. Hierbei vertrauen sie der Beurteilung ihrer erfahrenen und respektierten Leitstute und dem Leithengst. Beide führen gemeinsam kooperativ ihre Herde. Wird ein Leittier nicht mehr respektiert, führt dies zu einer neuen „Diskussion“ der Rangordnung. Es kommt in der Folge zu Rangkämpfen, die ein neues starkes intelligentes Leittier an die Spitze der Hierarchie bringen. Von den Kompetenzen des Leittieres ist in der freien Wildbahn das Überleben der Herdenmitglieder abhängig. Nur das aufmerksamste, stärkste Tier darf die Herde führen. Nur diesem wird das notwendige Vertrauen geschenkt. Sie leisten sich keine „Führer zweiter Klasse“ als Führungskräfte. Dieses tief verwurzelte Verhalten ist auch heute noch bei unseren domestizierten Pferden zu beobachten und spiegelt sich auch im Verhältnis Pferd und Mensch wider. Respekt und Vertrauen sind auch hier die Basis für kompetente Führung. Das sichere Empfinden der Pferde für Führungsverhalten, gekoppelt mit adäquaten Reaktionen auf das Verhalten der führenden Person machen wir uns in unseren Übungen zunutze.

Nach einer ersten Einführung in das Lernen mit Pferden, Informationen über das Verhalten der Pferde und Sicherheitshinweisen zum Umgang führen die ersten Mutigen unsere vierbeinigen Lernpartner am Strick in die lichtdurchflutete Reithalle, unseren Seminarraum für diese Arbeitseinheit. In dieser ersten pferdegestützten Übung mit dem Thema „ Ich erlebe mich im Führen und Geführt werden!“ geht es um das Schwerpunktthema „Führen“. Ziel ist, dass die Teilnehmerinnen ihr eigenes Führungsverhalten in einer konkreten Situation im Umgang mit dem Pferd erleben können. Es werden bewusst noch keine besonderen Herausforderungen in diese Übung eingebaut. In der Halle ist ein Parcours mit Pylonen (das sind kleine farbige Kegel) aufgebaut. Die Aufgabe besteht darin, das Pferd dahingehend zu motivieren, der Teilnehmerin freiwillig durch den Parcours zu folgen – ohne dass sie am Strick zieht. Die Teilnehmerinnen führen nacheinander ein Pferd, die Lernpartnerin beobachtet dies für das anschließende Feedback. Zusätzlich werden Videoaufnahmen gemacht. In der Erläuterung der Übung erkläre ich bewusst nur, „was“ getan werden muss – das „Wie“ bleibt offen. Dies ist deshalb besonders wichtig, da es in dieser Übung nicht darum geht ein Pferd möglichst gut durch den Parcours zu führen, sondern eine Reaktion des Pferdes auf das „übliche“ Führungsverhalten der TeilnehmerInnen zu erhalten. Die Teilnehmerinnen werden in dieser und in den nachfolgenden Übungen bewusst in Situationen gebracht, in denen ihre unbewussten Verhaltensweisen „sichtbar“ werden können. Es gibt jedoch die Vorgabe, dass keine körperliche Gewalt eingesetzt werden darf. Das würde sowieso nicht zum Ziel führen. Ein Pferd ist uns Menschen in Bezug auf Kraft und Schnelligkeit um ein Vielfaches überlegen. Jede Teilnehmerin entwickelt in dieser Übung ihre eigene Strategie, um diese Aufgabe zu bewältigen und das Pferd zur Kooperation zu motivieren. Interessanterweise zeigen die Teilnehmerinnen bei dieser Übung ähnliche Verhaltensweisen oder stoßen auf ähnliche Probleme wie in ihrer realen Führungspraxis im Umgang mit Menschen. Typische Verhaltensweisen der Teilnehmerinnen in Führungssituationen werden sichtbar und können so in den Übungen mit den Pferden und deren Reaktion bewusst gemacht werden. Durch ihr Leben in einer hierarchisch organisierten Gemeinschaft haben Pferde von Natur aus ein sehr feines Gespür für Führungsqualitäten. Auch im ersten Kontakt mit Menschen „scannen“ sie ihr Gegenüber und entscheiden instinktiv, ob sie es als „Leittier“ respektieren und ihm vertrauensvoll folgen können. In den Übungen reagieren die Pferde unmittelbar im Hier und Jetzt auf die ausgesendeten Signale der Teilnehmerin. Hierbei spielen insbesondere oft die unbewusst ausgesendeten Signale eine große Rolle.

Der Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Soziologe, Philosoph Paul Watzlawick wies 1969 darauf hin, dass nicht nur das gesprochene Wort, d.h. der Inhaltsaspekt einer Nachricht (Watzlawick spricht in diesem Zusammenhang von der digitalen Kommunikation), sondern auch insbesondere unsere nonverbalen Äußerungen (z.B. Lächeln, Wegblicken,..., die Watzlawick der analogen Kommunikation zuordnet) etwas mitteilen. Diese nonverbalen bzw. auch analogen Modalitäten menschlicher Kommunikation beinhalten die Beziehungsaspekte einer Nachricht. Es gibt Tränen des Schmerzes und der Freude und ein Lächeln kann Sympathie oder Verachtung ausdrücken. Analoge Kommunikation ist mehrdeutig und kann unterschiedlich entschlüsselt werden. Durch mögliche Fehlinterpretationen können Konflikte zwischen den Kommunikationspartnern entstehen. Quelle: Paul Watzlawick, Menschliche Kommunikation Formen, Störungen, Paradoxien, 7. Auflage 1985, S.68

Diesen nonverbalen analogen Botschaften kommt bei der Bewertung unserer Kommunikation eine wesentlich höhere Bedeutung zu, als dem eigentlichen Sachinhalt. Auch in unserem Führungsalltag erfolgt eine Bewertung unserer Person, unseres Verhaltens und unserer Führungsqualitäten insbesondere aufgrund dieser unbewusst ausgesandten (analogen) Botschaften. Menschen verfügen über die intuitive Fähigkeit, Stimmungen und Gefühle als analoge Botschaften wahrzunehmen. Diese wirken im Unterbewusstsein unterschwellig mit und beeinflussen maßgeblich unsere Bewertungen und damit in der Folge unsere Entscheidungen. In Coaching-Prozessen für Menschen mit Führungsverantwortung und besonders in konflikthaften Situationen spielt diese Ebene der analogen Botschaften mit denen wir – meist unbewusst - unsere inneren Einstellungen, Motive und Emotionen aussenden, für die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit unseres Handelns eine zentrale Rolle. Besteht keine Übereinstimmung zwischen meiner inhaltlichen Sachbotschaft und meinen unbewusst ausgesendeten analogen Botschaften, löse ich eine Irritation bei meinem Gegenüber aus. Ich werde nicht als Authentisch wahrgenommen und in der Folge oft nicht ernst genommen. Im Führungsalltag kann dies zur Folge haben, dass meine MitarbeiterInnen aufgrund dieser Irritation Schwierigkeiten haben mir zu vertrauen.

An dieser Stelle möchte ich Paul Watzlawick zitieren: „Tieren wird ja seit alters eine besondere Intuition für die Aufrichtigkeit oder Falschheit menschlicher Haltungen zugeschrieben; denn es ist leicht, etwas mit Worten zu beteuern, aber schwer, eine Unaufrichtigkeit auch analogisch glaubhaft zu kommunizieren. Eine Geste oder eine Miene sagt uns mehr darüber, wie ein anderer über uns denkt, als hundert Worte.“ (Paul Watzlawick, Menschliche Kommunikation, 7. Auflage, S. 64)

Das Pferd als Partner spiegelt uns durch sein Verhalten direkt, unzweideutig und unübersehbar, ob und wann wir authentisch und „vertrauenswürdig“ in unserer Führung sind. Pferde kommunizieren überwiegend mit der Körpersprache. Schon kleinste Signale, wie unsere Körperhaltung, die Position des menschlichen Körpers zum Pferd, Bewegungen, unsere Atmung, die Stimmlage, um nur einige Beispiele zu nennen, werden durch die Pferde wahrgenommen, bewertet und lösen eine Reaktion aus. Dabei sind Pferde absolut ‚ehrlich‘. Ihre Reaktionen beziehen sich ausschließlich auf die ausgesendeten Signale und die Wirkung der Teilnehmerin. Komponenten, die uns Menschen durch unsere eigenen Prägungen in unserer Wahrnehmung beeinflussen (Eisbergmodell), existieren nicht für sie. Vorurteile, eigene Bewertungen, Projektionen, Übertragungen, Rang, Titel, Beziehungen, Geld, Statussymbole, u.v.m. entfachen keine Wirkung. Sie sehen den puren Menschen mit seinen Signalen und Befehlen vor sich und entscheiden sich instinktiv. Wenn sie die Teilnehmerin als „Leittier“ respektieren, folgen sie ihr vertrauensvoll. Ist dies nicht der Fall, zeigen sie widersetzliches Verhalten indem sie z.B. einfach stehen bleiben, die Lust an der Mitarbeit verlieren oder selbst die Führung übernehmen. In den pferdegestützten Übungen haben Menschen die Chance, in einer geschützten Seminaratmosphäre ein solch unmittelbare Feedback eines Pferde in Bezug auf das eigene Führungsverhalten zu bekommen und diese Information über sich selbst in der Auseinandersetzung mit beruflichen Führungsthemen zu nutzen.

Wie ist es in der ersten Übung unseren Teilnehmerinnen ergangen?

Janett hat sich zusammen mit Ursula den Dülmener Wallach Oskar ausgesucht. „Er sieht so lieb aus“, meinte sie. Außerdem ist er deutlich kleiner als die anderen beiden Pferde. Zunächst macht er brav mit, aber als Janett an der Reihe ist, rührt Oskar sich nicht von der Stelle. Janett fühlt sich hilflos und versucht Oskar mit Streicheleinheiten sanft zu motivieren. Über 5 lange Minuten bleibt Oskar stur stehen und geht keinen einzigen Schritt in die gewünschte Richtung. Endlich - der erste Schritt. Oskar lässt sich von Janett doch noch überreden, den Parcours mit ihr gemeinsam zu gehen, langsam, bedächtig mit vielen Verschnaufpausen. Ursula übernimmt Oskar und prescht los. Oskar hat Mühe, sich gleich an das neue Tempo zu gewöhnen, folgt ihr aber ohne Widerstand. Im Nu ist die Übung beendet. War das das gleiche Pferd?

In den anschließenden Arbeitseinheiten erfolgen Reflexion- und Feedbackrunden in Einzelarbeit, Reflexion mit der Lernpartnerin, Arbeit in Kleingruppen und im Plenum. Die Teilnehmerinnen haben sich aktiv in einer Führungssituation erlebt und halten für sich fest, was ihnen dabei deutlich bzw. wichtig geworden ist. Sie benennen ihre eigen persönlichen Themen in Bezug auf Führung. Diese stellen sie im Plenum vor. Janett ist ihrem Gefühl der Hilflosigkeit wieder begegnet. Oskar hat sich genauso störrisch verhalten, wie einer ihrer Mitarbeiter. „Er macht einfach nicht mit! Und ich will ihn auch noch mit Streicheleinheiten motivieren…!“ Hier ist sie in der Übung an ihre Grenzen gestoßen und überlegt sich, ob sie am nächsten Tag mit einem anderen Pferd arbeiten möchte. Sie ist noch nicht bereit zu einer Auseinandersetzung mit diesem Mitarbeiter – diesem Thema. In den folgenden Arbeitseinheiten im Seminarraum werden die aufgetretenen Themen aufgegriffen und weiter bearbeitet.

Die Integration der pferdegestützten Übungen in das nach dem TZI-Konzept geführten Seminars erfolgt immer zu einem bestimmten Thema. Dieses wird entsprechend eingeführt und vorbereitet und in mehreren Feedbackrunden reflektiert und nachbereitet. Auf die Nachbereitung lege ich ein besonderes Augenmerk. Angereicht wird der Reflexionsprozess zusätzlich durch gezielte Inputs der Leiterin. Ein sensibler Umgang mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung ist ein bedeutsames Thema für jede Führungskraft. Jedes Feedback birgt die Chance für eine Weiterentwicklung. Was ist das Besondere an dem Feedback welches wir im Zusammenhang mit den pferdegestützten Übungen erhalten? Besonders eindrucksvoll wird das Feedback des Pferdes bei der folgenden pferdegestützten Übung deutlich. Diese Übung wird in der Mitte des Seminars (d.h. frühestens ab der 10. Arbeitseinheit) durchgeführt. Ein Pferd befindet sich in einem ca. 12 m x 12 m abgesteckten Feld in der Reithalle, dem sogenannten Picadero. Dieses Feld soll in der nachfolgenden Übung den Wirkungskreis eines Mitarbeiters repräsentieren. Die Teilnehmerin geht zu dem Pferd in diesen abgesteckten Bereich. Sie erhält eine Fahne als Führungsinstrument zur Unterstützung ihrer Machtbefugnisse. Sie darf selber entscheiden, ob sie diese Fahne benutzen möchte. Die Fahne kann eine sehr starke Wirkung gegenüber dem Pferd entfachen. Pferde sind als Fluchttiere sehr wachsam bei schnellen Bewegungen, die sie in ihrem Umfeld wahrnehmen und entziehen sich gewöhnlich durch Flucht. Die Aufgabe für die Teilnehmerin besteht zunächst darin, zwischen sich und dem Pferd eine Distanz herzustellen und anschließend das Pferd dazu zu ermuntern, ihr freiwillig zu folgen.

Diese Übung erinnert zunächst an das in Reiterkreisen bekannte „Join-up“ und „Follow-up“ von Monty Roberts. Monty Roberts ist ein US-amerikanischer Autor, Pferdezüchter und ehemaliger Rodeoreiter, der durch einen besonderen Umgang mit traumatisierten und schwierigen Pferden als sog. Pferdeflüsterer bekannt geworden ist. Quelle: Die Sprache der Pferde. - Bergisch Gladbach (engl. Originaltitel: A Hands-On Guide to the Monty Roberts Methods of Join-Up Horsemanship) : Lübbe, 2002 und WikipediaWährend es beim Join-up und Follow-up um eine Arbeit am Pferd mit der Zielstellung einer Zähmung des Pferdes geht, das heißt das Pferd soll die Führung des Menschen akzeptieren und sich unterordnen, machen wir uns in der pferdegestützten Übung das natürliche Verhalten des Pferdes als Flucht- und Herdentier zu nutze. Wir wollen die Wirkungen und Auswirkungen des derzeitigen Führungsverhaltens der TeilnehmerInnen durch das Pferd „gespiegelt“ bekommen. Anzeichen für die Unterordnungsbereitschaft des Pferdes sind das Senken des Kopfes, Ohrenspiel, Schlecken und Kauen und das Bemühen des Pferdes die Distanz zu verringern.

Agnes beginnt spontan als erste. Sie tritt, selbst sehr klein und zierlich in ihrer Statur, Chanel, unserer Leitstute, gegenüber. Wir erleben gegenseitigen Respekt. Agnes konnte es selbst kaum fassen, als Chanel ihr freiwillig durch den abgesteckten Bereich folgte – ohne Strick – ohne dass sie Druck ausüben musste – ihre Nüstern ganz dicht an ihrem Hals, so dass sie den warmen Pferdeatem spüren konnte. Friedericke betritt als nächste das Territorium von Chanel. Sie traut sich, die Fahne zu nehmen und treibt Chanel vor sich her. Nachdem sie sich Respekt verschafft hat und die Fahne sinken lässt, kommt Chanel langsam auf sie zu. Ein bewegender Moment. Friedericke reflektiert für sich: „Ich habe plötzlich gespürt, welche Macht ich habe! Das hat mich beeindruckt. Vielleicht muss ich mich gar nicht immer so klein machen…!?“ Es ist ein bewegender Moment, wenn Chanel der Teilnehmerin folgt, ohne Strick, ohne Druck, ohne ein Wort. Dies ist ein Ergebnis des Vertrauens, dass im ersten Teil der Übung – in der Phase der Distanz und des gegenseitigen Respekts - erworben wurde. Wenn Respekt vorhanden ist, kann man Nähe zulassen. In dieser Übung machen die Teilnehmerinnen ihre persönlichen Erfahrungen zu den Themen gegenseitiger Respekt und Vertrauen und erleben ihr eigenes Bedürfnis nach Distanz und Nähe. Auch Macht und Ohnmacht, erlebtes Durchsetzungsvermögen, Sensibilität und das Vertrauen in die eigene Intuition, sind Themen, die durch diese Übung angesprochen werden Emotionen wecken Können.

Im weiteren Verlauf des Seminars (im 2. Modul) beleuchten wir konfliktträchtige Situationen aus dem beruflichen Umfeld der Teilnehmerinnen. In speziell dafür konzipierten Übungen übernimmt Chanel stellvertretend die Rolle des jeweiligen Konfliktpartners. Die Teilnehmerinnen sind perplex, wie Chanel es schafft, genau das Verhalten des Konfliktpartners darzustellen, dem sie in ihrem Alltag immer wieder gegenüberstehen. Warum verhält sich das Pferd immer instinktiv wie mein Kollege? Fast wurden Chanel schon übersinnliche Fähigkeiten angedichtet. Unsere Pferde verfügen nach meiner Einschätzung nicht über übersinnliche Kräfte oder die Fähigkeit Gedanken zu lesen. Sensible Pferde wie Chanel reagieren jedoch sehr stark schon auf kleinste auch unbewusste Signale, die die Teilnehmerin ausstrahlt, wenn sie nur an ihren Kollegen, Chef oder Mitarbeiter denkt. Das Pferd ist in diesem Moment eine Projektionsfläche und ein Spiegel. In den Übungen spiegelt Chanel das gezeigte Verhalten zurück. Die Teilnehmerinnen bekommen so die Chance, zu erkennen, welche Ursachen sie möglicherweise selbst setzen. Nach dem Prinzip, dass jede Ursache eine Reaktion d.h. Wirkung bei meinem Gegenüber entfacht, können die Teilnehmerinnen zukünftig diesen Teufelskreis durchbrechen, indem sie bewusst ihr eigenes Verhalten ändern und damit eine andere Wirkung bei ihren Konfliktpartner erzielen und in der Folge hierdurch seine Reaktionen beeinflussen. Pferde arbeiten gerne mit Menschen zusammen, bei denen sie ein authentisches und klares Führungsverhalten wahrnehmen. Sie fordern im Umgang mit ihnen eine 100 % Präsenz und zeigen Grenzen auf. Bedeutsame Führungsqualitäten, wie z.B. Authentizität, Vertrauenswürdigkeit, Zielstrebigkeit, Präsenz und eine mentale innere Stärke nehmen Pferde instinktiv wahr. In speziell angelegten Übungen mit den Pferden, in denen es auf die o.a. Eigenschaften ankommt, erhalten die Teilnehmerinnen durch die Reaktionen der Pferde ein bedeutsames Feedback und auch unmittelbare Erfolgserlebnisse. Dabei sind Pferde nicht nachtragend. Sie geben jedem immer wieder eine Chance. Wenn wir uns im Laufe des Seminares zu einem fähigen „Leittier“ weiterentwickeln, quittieren sie dies, indem sie bereitwillig mit uns zusammen arbeiten. Auch aus diesem Grund sind sie so gut für diese Trainings geeignet. Sie ermöglichen Lernen durch eigenes Erleben und sie motivieren uns durch Erfolgserlebnisse.

Das Seminar bestand aus zwei Modulen, die in einem Abstand von 3 Wochen durchgeführt worden sind. Die Teilnehmerinnen berichten anschließend von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen: Ursula, hat in den pferdegestützten Übungen für sich erkannt, dass sie stets vorprescht und dann umkehren muss, um die anderen abzuholen. Sie möchte jetzt verstärkt darauf achten, ihre MitarbeiterInnen von Beginn an mitzunehmen. Agnes, will nicht mehr vor Widerständen zurückweichen. Sie möchte mutig und stark sein und Entscheidungen treffen. Auch schwierige Situationen möchte sie angehen. Sie wird in Zukunft in herausfordernden Situationen die Erinnerung an den Atem vom Chanel in ihrem Nacken als sie stärkende Erinnerung nutzen. Janett, hat für sich erkannt, dass sie sich zunächst einmal auf fremdem Terrain ihre Erfahrungen im Leiten machen möchte. Sie wird für einige Zeit ins Ausland geben. Friedericke, unsere freiberufliche Werbedesignerin, berichtet, dass sie jetzt ruhig bleiben kann, wenn ein Geschäftsgespräch einmal nicht nach ihren Erwartungen läuft. Sie habe jetzt mehr Selbstbewusstsein. „Bei Herausforderungen denke ich an Chanel und nehme sie über die Hindernisse mit – ohne Strick! Dann wachse ich gleich um drei Zentimeter!“ Barbara meint, sie kann ihren eigenen Entscheidungen jetzt mehr vertrauen. Sie habe jetzt den Mut, auch unliebsame Anweisungen durchzusetzen und sich bei Bedarf jemanden mit ins Boot zu holen. Der Wille sei da, sie wisse jetzt wo sie hin will.

Resümee

Ich halte den Einsatz von pferdegestützten Übungen in TZI-basierten Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung für sehr effektiv und nachhaltig. Die praktische Arbeit mit dem Pferd ermöglicht ein intensives Arbeiten mit den Themen der TeilnehmerInnen. Die pferdegestützten Übungen bilden im Zusammenwirken mit der TZI einen geeigneten Rahmen, in dem eine Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit für die Teilnehmerinnen ermöglicht werden kann:

  1. In den praktischen Übungen können unbewusste Gewohnheiten und Abläufe ins Bewusstsein gerückt werden. Das aktive Handeln und Erleben im Hier und Jetzt setzt einen starken Impuls und intensiviert die Auseinandersetzung mit eigenen persönlichen Themen.
  2. Die praktischen Übungen mit dem Pferd sprechen sehr stark auch körperliche und emotionale Ebenen des Erlebens der TeilnehmerInnen an. Da die Pferde gerade auf die auf dieser Ebene ausgesandten Signale sehr sensibel reagieren, kommen Themen, die den TeilnehmerInnen nicht unmittelbar bewusst sind, sich aber körperlich oder emotional zeigen, eher zur Sprache. Diese können im Anschluss durch Austausch mit anderen auch intellektuell durchdrungen und ins eigene Bewusstsein integriert werden.
  3. Dass die Rückmeldung von einem Pferd kommt spielt hierbei eine besondere Rolle. Diese kann von den Teilnehmerinnen oftmals eher als „objektiv“ wahrgenommen und aus diesem Grunde auch eher akzeptiert werden, als wenn Menschen Feedback geben, die ein Stück weit immer auch eigene Interessen, Übertragungen oder Projektionen mit ins Spiel bringen. Die Bereitschaft, dazuzulernen, ggf. etwas zu ändern und damit etwas zur persönlichen Weiterentwicklung beizutragen ist nach der Erfahrung mit dem Lernpartner Pferd und der entsprechenden Nachbereitung in der Seminargruppe oft sehr groß.
  4. Die TeilnehmerInnen erfahren in den aufeinander aufbauenden Modulen oft unmittelbar Erfolgserlebnisse, die motivieren, an den selbst gesteckten Zielen zu arbeiten und im Umgang mit anderen klarer und selbstbewusster aufzutreten.
  5. Die Videoaufnahmen ermöglichen es den Teilnehmerinnen zeitversetzt, mit etwas Abstand zu den ggf. sehr emotional erlebten Übungen, sich selbst ein Bild von ihrer Wirkung zu machen. Gleichzeitig ermöglicht es eine zeitversetzte Bearbeitung von Themen, die zunächst zurückgestellt wurden.

Neben dem Einsatz bei Führungskräftetrainings kann ich mir pferdegestützte Übungen auch in TZI Persönlichkeits-Kursen mit anderem Thema als Führung vorstellen, z. B. in der Burn-Out Prophylaxe. Spezielle Übungen, in denen die TeilnehmerInnen vom dem Pferd „getragen und passiv bewegt werden“ können in Verbindung mit anderen Elementen aus der humanistischen Psychologie wertvolle Impulse zur Auseinandersetzung mit sich und der eigenen Balance zwischen Tun und Lassen, Verantwortung tragen und abgeben, sich um andere und um sich selbst sorgen, geben. Auch im Coaching, in der Vorbereitung und Begleitung von Veränderungsprozessen, sowie in der Teamentwicklung, kann die Arbeit mit Pferden Aufschlussreich und hilfreich sein. Ich bin gespannt auf die vielen Möglichkeiten, die sich hieraus noch entwickeln lassen. Ich hoffe, Neugierde geweckt zu haben und freue mich schon jetzt auf einen inspirierenden und konstruktiven Austausch und eine Zusammenarbeit mit anderen TZI-lern.

Kundenfeedback

Dieses Seminar ist eine wunderbare Selbsterfahrung. Stimmen Ihre Ziele mit denen Ihres Unterbewusstseins überein? Senden Sie klare Signale an Ihr Gegenüber? Sind Sie klar? Oder gibt es Störungen, um wirklich auf Ihrem Weg erfolgreich zu sein? (Doris, 2013)

Die Arbeit mit Pferden eröffnet ungeahnte Einblicke in das eigene Führungsverhalten und das ganz ohne verbale Kommunikation, ehrlich, ungefoltert, treffend...einfach wunderbar!" (Brigitte Stang, 2014)

"Meine Güte, ist das tiefgehend!" (April 2014)

"In vertrauensvoller und geschützter Atmosphäre mit Mensch und Pferd arbeiten."

Sie erfahren, wer Sie sind und was sie wollen und können. Viel Spaß beim Entdecken und Sich-Erleben. …..ich weiß jetzt, wo meine Reise hingeht. Dieses Pferdeseminar war auch ein Puzzleteilchen auf meinem Weg. Lieben Dank dafür. Doris 

Der nächste Schritt auf meinem Weg ist gemacht!

Führen mit Respekt und Vertrauen - was Pferde brauchen, brauchen Menschen auch!

Wir sind heute zu sehr Kopfmenschen. Das Pferd hilft, in mein Unbewusstes, das Unbekannte vorzudringen. Das ist ein Abenteuer und eröffnet viele Lösungsansätze (Beate - 2014)

„Das Pferd zeigte mir, dass das Miteinander wichtiger sein kann, als das schnelle Erreichen meines Zieles. Mir ist bewusst geworden, dass gute Führung viel mit Vertrauen in mein Gegenüber zu tun hat." - Brigitte, Detmold

„Die Stute spiegelte mir mein eigenes Führungsmuster und wies mir den Weg.“

„It was almost magical. Can this horse read my mind?..When I had a good connection, the horse followed me, when I started to think, he immediately walked away. It made me realise how important conection is in leadership.“- Natasja, Niederlande

„The horse was a mir-ror for me. It makes me authentic and that gives me power about my leadership.“ - Anja, Belgien

„Very special to experience how strong being really present influences my leadership. The horse stopped following immediately when I wandered off in my head!“ - Ben, Holland

Gut Klein Nienhagen

Unsere Beratungen und Führungskräftetrainings werden auf dem Gut Klein Nienhagen durchgeführt.

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